Wirtschaft

Eurowings-Krise: Kurzarbeit und Flugausfälle drohen

Der Kostendruck zwingt die Lufthansa-Tochter zu drastischen Sparmaßnahmen.

Von Sarah Müller 6 Min. Lesezeit Aktualisiert: 19.10.2026
Eurowings-Krise: Kurzarbeit und Flugausfälle drohen

Betrifft: Reisende · Arbeitnehmer

In Kürze
  • Eurowings streicht Flüge und prüft Kurzarbeit wegen wachsenden Kostendrucks im europäischen Flugmarkt.
  • Steigende Treibstoffkosten, Flughafengebühren und Lohnerhöhungen belasten die Margen erheblich.
  • Der Mutterkonzern Lufthansa fordert Einsparungen im dreistelligen Millionenbereich bis Jahresende.

Eurowings steht vor einem drastischen Sparprogramm: Dem Lufthansa-Konzern zufolge drohen der Billigflugtochter Kurzarbeit und Flugstreichungen, weil steigende Kosten und schwache Nachfrage im Freizeitreisesegment das Geschäftsmodell unter Druck setzen. Konzernintern wird über eine Reduzierung der Flotte sowie über Personalabbau in der Verwaltung gesprochen. Branchenbeobachter sehen darin ein Alarmsignal für den gesamten deutschen Luftverkehrsmarkt.

  • Eurowings plant laut internen Angaben Kurzarbeit für Teile der Belegschaft noch in diesem Winterhalbjahr.
  • Steigende Treibstoff- und Personalkosten belasten die Marge der Lufthansa-Tochter erheblich.
  • Mehrere innerdeutsche und europäische Strecken stehen auf der Streichliste.
  • Der Mutterkonzern Lufthansa fordert Einsparungen im dreistelligen Millionenbereich bis Ende des Jahres.

Warum gerät Eurowings jetzt in die Krise?

Die Lufthansa-Tochter kämpft seit Monaten mit einer Kombination aus hohen Betriebskosten und einer schwächelnden Nachfrage im Low-Cost-Segment. Steigende Kerosinpreise, gestiegene Flughafengebühren und tariflich vereinbarte Lohnerhöhungen haben die Kostenbasis spürbar verschoben. Gleichzeitig buchen preissensible Kunden zurückhaltender, was die Auslastung auf wichtigen Strecken drückt.

▶ Auf einen Blick
  • Eurowings steht vor Kurzarbeit und Flugausfällen wegen steigender Kosten.
  • Lufthansa fordert drastische Einsparungen im dreistelligen Millionenbereich.
  • Branchenbeobachter sehen ein Alarmsignal für den deutschen Luftverkehr.

Das ifo Institut verweist in seiner jüngsten Konjunkturumfrage auf eine generelle Eintrübung im Dienstleistungssektor, zu dem auch die Luftfahrtbranche zählt. Demnach bewerten Unternehmen aus dem Reise- und Transportgewerbe ihre Geschäftserwartungen aktuell deutlich pessimistischer als noch vor einem Jahr (Quelle: ifo Institut).

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Welche Rolle spielt der Lufthansa-Konzern?

Der Mutterkonzern Lufthansa hat Eurowings intern als eines der margenschwächsten Segmente identifiziert. Konzernweit läuft bereits ein umfassendes Effizienzprogramm, das Verwaltungskosten senken und Prozesse straffen soll. Eurowings soll dabei überproportional zur Zielerreichung beitragen, da die Tochter seit Längerem hinter den Erwartungen zurückbleibt.

Diese Entwicklung reiht sich in eine Serie von Sparmaßnahmen deutscher Großkonzerne ein, wie zuletzt auch die BMW-Krise eskaliert: Gewinn bricht ein, 8.000 Jobs fallen weg gezeigt hat.

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Wie stark sind Kurzarbeit und Stellenabbau bei Eurowings?

Wirtschaft Rezession Konjunktur Fallende Kurve Grafik Deutschland Wirtschaft
Wirtschaft Rezession Konjunktur Fallende Kurve Grafik Deutschland Wirtschaft

Nach Angaben aus Unternehmenskreisen sollen zunächst Beschäftigte im Bodenpersonal sowie in der Verwaltung von Kurzarbeit betroffen sein. Für das Cockpit- und Kabinenpersonal werden derzeit Gespräche mit den Gewerkschaften geführt. Ein konkreter Zeitplan für den Beginn der Kurzarbeit liegt noch nicht vor.

Die Bundesagentur für Arbeit registriert bereits seit Monaten einen Anstieg der Kurzarbeitsanträge in verschiedenen Branchen. Diese Entwicklung deckt sich mit dem bundesweiten Trend, den auch der Beitrag Kurzarbeit steigt: 80.000 neue Anträge im Juni dokumentiert.

Was bedeutet das konkret für Beschäftigte?

Für die Mitarbeitenden bedeutet Kurzarbeit zunächst reduzierte Arbeitszeit bei anteiligem Lohnausgleich durch das Kurzarbeitergeld. Betroffene Beschäftigte müssen mit spürbaren Einkommenseinbußen rechnen, da das Kurzarbeitergeld in der Regel nur etwa 60 bis 67 Prozent des ausgefallenen Nettolohns ersetzt.

Gewerkschaftsvertreter warnen zudem, dass Kurzarbeit häufig als Vorstufe zu dauerhaftem Stellenabbau diene. Erfahrungen aus anderen Industriezweigen, etwa der Automobilbranche, stützen diese Einschätzung.

Welche Strecken und Flüge sind von Streichungen betroffen?

Konkret im Gespräch sind Kürzungen bei wenig ausgelasteten innerdeutschen Verbindungen sowie bei einzelnen Freizeitzielen im Mittelmeerraum. Eurowings hatte bereits in den vergangenen Jahren sein innerdeutsches Streckennetz schrittweise ausgedünnt, um sich stärker auf margenträchtigere Auslandsziele zu konzentrieren.

Reisende müssen sich nach Einschätzung von Branchenexperten auf kurzfristige Umbuchungen und Flugausfälle einstellen, sollte das Sparprogramm wie geplant umgesetzt werden. Besonders betroffen wären Verbindungen von kleineren Regionalflughäfen.

Wie reagieren Wettbewerber auf die Entwicklung?

Konkurrenten wie Ryanair und easyJet beobachten die Lage genau, da frei werdende Slots an deutschen Flughäfen für sie attraktiv wären. Analysten gehen davon aus, dass ein Rückzug von Eurowings aus einzelnen Märkten Wettbewerbern zusätzliche Marktanteile verschaffen könnte.

Gleichzeitig kämpfen auch andere Airlines mit steigenden Betriebskosten, sodass ein aggressiver Expansionskurs derzeit nicht bei allen Wettbewerbern wahrscheinlich erscheint.

Wie ordnet die Wirtschaft die Eurowings-Krise ein?

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sieht in der Entwicklung bei Eurowings ein Symptom einer breiteren Investitionszurückhaltung im Dienstleistungssektor. Hohe Energiekosten und eine verhaltene Konsumstimmung belasten demnach nicht nur die Industrie, sondern zunehmend auch konsumnahe Branchen (Quelle: DIW).

Auch die Bundesbank verweist in ihrem jüngsten Monatsbericht auf eine schwächelnde Konsumneigung privater Haushalte, die sich unmittelbar auf buchungsabhängige Branchen wie den Flugverkehr auswirkt (Quelle: Bundesbank).

Welche Parallelen gibt es zu anderen Krisenbranchen?

Die Situation bei Eurowings erinnert an Entwicklungen in der Automobilindustrie, wo ebenfalls Kostendruck und schwache Nachfrage zu Werksschließungen und Stellenabbau führen. Beispielhaft steht dafür die Situation bei Mercedes, die im Artikel Mercedes-Krise: Werksschließung bedroht tausende Jobs beschrieben wird.

Beide Branchen eint, dass steigende Energie- und Personalkosten auf eine zurückhaltende Konsumnachfrage treffen – eine Konstellation, die laut Statista derzeit mehrere exportorientierte und konsumnahe Sektoren in Deutschland gleichzeitig belastet (Quelle: Statista).

Wer profitiert, wer verliert bei der Eurowings-Krise?

Zu den Verlierern zählen zweifellos die Beschäftigten, die mit Kurzarbeit oder Jobverlust rechnen müssen, sowie Reisende, die mit Flugausfällen konfrontiert werden. Auch kleinere Regionalflughäfen, die von Eurowings-Verbindungen abhängig sind, dürften wirtschaftliche Einbußen erleiden.

Profiteure könnten hingegen Billigflug-Konkurrenten sein, die frei werdende Marktanteile übernehmen. Auch Bahnverbindungen auf innerdeutschen Strecken könnten durch den Rückzug von Eurowings an Attraktivität gewinnen.

Welche Auswirkungen hat die Krise auf Verbraucherpreise?

Weniger Flugangebot bedeutet in der Regel höhere Ticketpreise auf den verbleibenden Strecken, da sich die Nachfrage auf weniger Flüge verteilt. Diese Entwicklung würde die ohnehin angespannte Lage bei den Verbraucherpreisen zusätzlich verschärfen, wie sie bereits im Beitrag Inflation explodiert: Verbraucher drohen höhere Preise beschrieben wird.

Auch steigende Kerosinkosten stehen im Zusammenhang mit der allgemeinen Energiepreisentwicklung, die sich ebenfalls an der Zapfsäule bemerkbar macht, wie der Artikel Spritpreise: Drei Euro drohen jetzt an der Zapfsäule darlegt.

KennzahlEurowings aktuellVorjahreszeitraum
Mitarbeiterzahlca. 6.000ca. 6.500
Flottengrößeca. 90 Flugzeugeca. 100 Flugzeuge
Durchschnittliche Auslastung78 %83 %
Geplante Kosteneinsparungdreistelliger Millionenbetrag-

Konjunkturindikator: Der ifo Geschäftsklimaindex für den Dienstleistungssektor zeigt im Oktober eine spürbare Eintrübung, insbesondere bei Unternehmen aus dem Reise- und Transportgewerbe. Dies deutet auf eine anhaltende Zurückhaltung bei Investitionen und Konsumausgaben hin (Quelle: ifo Institut).

Was bedeutet die Krise für den Standort Deutschland?

Die Entwicklungen bei Eurowings werfen erneut die Frage auf, wie wettbewerbsfähig deutsche Fluggesellschaften im internationalen Vergleich noch sind. Hohe Standortkosten, insbesondere Luftverkehrssteuer und Gebühren, werden von Branchenverbänden seit Langem kritisiert.

Gleichzeitig zeigen Krisen in anderen Sektoren, etwa der Landwirtschaft mit den Folgen von Dürreperioden, dass strukturelle Belastungen derzeit branchenübergreifend auftreten. Ein Beispiel dafür liefert der Artikel Dürre-Desaster: Bauern drohen totale Ernteausfälle.

Wie geht es nun konkret weiter?

Für die kommenden Wochen sind weitere Gespräche zwischen Eurowings-Management, Lufthansa-Konzernführung und Gewerkschaften angesetzt. Ein endgültiges Maßnahmenpaket soll nach Unternehmensangaben noch in diesem Jahr vorgestellt werden.

Bis dahin bleibt unklar, in welchem Umfang Kurzarbeit tatsächlich umgesetzt wird und welche Strecken konkret von Streichungen betroffen sein werden. Reisende und Beschäftigte müssen sich auf eine Phase der Unsicherheit einstellen.

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EinordnungDie Krise bei Eurowings könnte zu höheren Ticketpreisen und weniger Flugverbindungen für Reisende in Deutschland führen. Die Situation verdeutlicht die wirtschaftlichen Herausforderungen, denen die deutsche Luftfahrtbranche aktuell gegenübersteht.
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Was bisher geschah

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Originalquellen: ifo Institut

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Sarah Müller
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