ZenNews24› Politik› Ukrainische Nationalisten: Aus polnischer Sicht e… Politik Ukrainische Nationalisten: Aus polnischer Sicht ehrt Selenskyj die Falschen Polens Präsident Nawrocki erwägt, Selenskyj einen Orden abzuerkennen – der Streit um OUN-Ehrungen belastet die bilateralen Beziehungen. Von ZenNews24 Redaktion 30.05.2026, 07:56 Uhr 4 Min. Lesezeit Aktualisiert: 24.06.2026 Das Wichtigste in Kürze Ein schwerwiegender diplomatischer Konflikt zeichnet sich derzeit zwischen der Ukraine und Polen abDer Anlass: Die feierliche Beisetzung eines hochrangigen Anführers der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) durch Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in Warschau für erhebliche Verstimmung gesorgtPolens Präsident Andrzej… Ein schwerwiegender diplomatischer Konflikt zeichnet sich derzeit zwischen der Ukraine und Polen ab. Der Anlass: Die feierliche Beisetzung eines hochrangigen Anführers der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) durch Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in Warschau für erhebliche Verstimmung gesorgt. Polens Präsident Andrzej Nawrocki deutete an, dass er erwägen könnte, Selenskyj einen ihm verliehenen Orden abzuerkennen – ein Schritt, der die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen beiden Nachbarländern weiter belasten würde und grundlegende Fragen über die historische Bewertung umstrittener Widerstandsfiguren aufwirft. Die Kontroverse entzündete sich an der staatlichen Beisetzung eines prominenten OUN-Führers, dessen Organisation während des Zweiten Weltkriegs in Polen als äußerst umstritten gilt. Während die Ukraine diesen Mann als nationalen Widerstandskämpfer gegen sowjetische und russische Unterdrückung ehrt, sehen polnische Historiker und Politiker in solchen Figuren häufig Akteure, die an Verbrechen gegen die polnische Zivilbevölkerung beteiligt waren oder diese zumindest duldeten. Diese gegensätzliche historische Einordnung spaltet die Gesellschaften beider Länder bis heute. ▶ Auf einen BlickSelenskyjs Beisetzung eines OUN-Führers löst diplomatische Spannungen mit Polen aus.Unterschiedliche historische Bewertungen des Widerstands führen zu Konflikten.Die Kontroverse beleuchtet die komplexen historischen Beziehungen zwischen Ukraine und Polen. Die historischen Wurzeln des Konflikts Um die aktuelle Krise einzuordnen, ist der historische Kontext unerlässlich. Die OUN war während des Zweiten Weltkriegs eine ukrainische nationalistische Organisation, die gegen die sowjetische wie auch gegen die deutsche Besatzung kämpfte. Gleichzeitig war sie in schwere Verbrechen gegen polnische und jüdische Bevölkerungsgruppen verwickelt – darunter die als Massaker von Wolhynien bekannten Ereignisse der Jahre 1943 und 1944, bei denen nach polnischen Schätzungen zwischen 50.000 und 100.000 polnische Zivilisten getötet wurden. Diese duale Geschichte der Organisation – Widerstand einerseits, ethnische Gewalt andererseits – führt bis heute zu diametralen Bewertungen in beiden Ländern. ZenNews24 auf YouTube In der Ukraine werden führende Figuren der OUN und ihrer militärischen Unterorganisation UPA häufig als Nationalhelden dargestellt, die für Unabhängigkeit und Freiheit kämpften. In Polen hingegen werden sie überwiegend als Kriegsverbrecher oder zumindest als Mitverantwortliche für Kriegsverbrechen eingestuft. Dieser Deutungskonflikt ist nicht neu – er begleitet die polnisch-ukrainischen Beziehungen seit Jahrzehnten und hat trotz zahlreicher diplomatischer Bemühungen keine dauerhafte Lösung gefunden. Die feierliche Beisetzung durch höchste ukrainische Staatsrepräsentanten signalisiert eine klare politische Positionierung: Kiew möchte diese historischen Figuren rehabilitieren und als legitime Kämpfer für nationale Freiheit würdigen. Dies ist im Kontext des anhaltenden russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine nachvollziehbar, wo nationale Einheit und Identitätsstiftung politisch instrumentalisiert werden. Dennoch stellt dieser Schritt für Polen eine schwer akzeptierbare Provokation dar, besonders angesichts der historischen Lasten, die beide Gesellschaften miteinander verbinden.📩Immer informiert bleibenDie wichtigsten Nachrichten, wenn sie erscheinen.Newsletter holen Chronologie des polnisch-ukrainischen Historikerstreits 1943–1944 Massaker von Wolhynien: Einheiten der UPA töten nach polnischen Schätzungen zwischen 50.000 und 100.000 polnische Zivilisten in der von Deutschland besetzten Ukraine. Das Ereignis bleibt bis heute der zentrale historische Streitpunkt zwischen beiden Ländern. 2010 Der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko ernennt OUN-Gründer Stepan Bandera posthum zum „Helden der Ukraine". Polen und Israel protestieren scharf. Nachfolger Janukowitsch hebt den Titel 2011 per Gerichtsentscheid wieder auf. 2015–2016 Die ukrainische Rada verabschiedet mehrere Gesetze zur „Entkommunisierung", die auch OUN und UPA als antikommunistische Widerstandsorganisationen offiziell anerkennen. Polen kritisiert dies als Verharmlosung von Kriegsverbrechen. 2018 Polen verabschiedet ein Gesetz, das die Verleugnung der Wolhynien-Massaker unter Strafe stellt. Die Ukraine protestiert, beide Länder rufen vorübergehend ihre Botschafter zu Konsultationen zurück. 2022–2024 Nach Beginn der russischen Vollinvasion rücken Polen und die Ukraine geopolitisch enger zusammen. Warschau wird zu einem der wichtigsten Transitländer für westliche Waffenlieferungen. Der Historikerstreit tritt zeitweise in den Hintergrund, schwelt aber weiter. 2025 Selenskyj nimmt an der staatlichen Beisetzung eines hochrangigen OUN-Führers teil. Polens Präsident Nawrocki kündigt an, eine Aberkennung des Selenskyj verliehenen Ordens zu prüfen. Der Konflikt eskaliert erneut auf diplomatischer Ebene. Nawrockis Reaktion und diplomatische Folgen Präsident Nawrocki reagierte auf die Beisetzung mit deutlichen Worten. Seine Androhung, Selenskyj einen Orden abzuerkennen, ist mehr als eine symbolische Geste – sie ist ein Signal tiefgreifender Unzufriedenheit mit der ukrainischen Erinnerungspolitik. Warschau sendet damit unmissverständlich die Botschaft, dass strategische Partnerschaft im Angesicht des russischen Angriffskriegs die Aufarbeitung historischer Verbrechen nicht ersetzen kann. Die Reaktion Nawrockis fällt in eine innenpolitisch wie außenpolitisch heikle Phase: Polen steht kurz vor Präsidentschaftswahlen, und das Thema nationale Erinnerung besitzt dort hohe emotionale Sprengkraft. Zugleich bleibt Polen einer der wichtigsten Unterstützer der Ukraine im Krieg gegen Russland. Diese Spannung zwischen historischer Verantwortung und geopolitischer Solidarität dürfte die Handlungsspielräume beider Seiten in den kommenden Wochen erheblich einengen. Ob Nawrocki die Ordensaberkennung tatsächlich vollzieht oder sie als diplomatisches Druckmittel einsetzt, bleibt offen. Klar ist: Der Konflikt legt offen, dass das polnisch-ukrainische Verhältnis trotz gemeinsamer Bedrohung durch Russland auf einem fragilen historischen Fundament steht. Solange Kiew und Warschau keine gemeinsame Sprache für die Ereignisse von Wolhynien finden, werden Momente wie dieser immer wieder als Zündfunken wirken – mit unberechenbaren Folgen für eine Partnerschaft, auf die Europa in dieser Kriegszeit dringend angewiesen ist. Mehr zum ThemaWer ist Hendrik Wüst? Das große Porträt des NRW-MinisterpräsidentenSPD fordert Mindestlohn-Erhöhung auf 15 EuroMerz plant Verschärfung beim Bürgergeld — SPD blockt ab EinordnungDie Meldung verdeutlicht die schwierige politische Lage in Osteuropa. Die unterschiedlichen Interpretationen historischer Ereignisse prägen die Beziehungen zwischen den Nachbarländern und werfen Fragen nach der Wahrnehmung von Widerstand und Verbrechen auf. ZZenNews24 RedaktionUnabhängige Nachrichtenredaktion · Schwerpunkt: Politik Teilen Teilen X Facebook WhatsApp Link kopieren Mehr zum ThemaSportvor 4 Std.Todefall beim New-York-MarathonDigitalvor 16 Std.GTA 6 Preload startet am 12. NovemberGesellschaftgesternRentner bekommen 2027 bis zu 4,1 Prozent mehrInternationalgesternTrump stoppt Militärhilfe für Israel vorzeitig Wie findest du das? 🔥 0 😲 0 🤔 0 👍 0 😢 0 politik Z ZenNews24 Redaktion Redaktion Die ZenNews24-Redaktion berichtet rund um die Uhr über die wichtigsten Ereignisse aus Deutschland und der Welt. Unsere Journalistinnen und Journalisten recherchieren, analysieren und ordnen ein — unabhängig und verlässlich. 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