ZenNews24› Wirtschaft› Delivery Hero: Aspex erhöht Anteil auf 15 Prozent Wirtschaft Delivery Hero: Aspex erhöht Anteil auf 15 Prozent Aspex Management verstärkt seinen Einfluss auf Delivery Hero mit 15% Beteiligung und droht mit Forderungen an Konzernchef Niklas Östberg. Von Julia Schneider 20.04.2026, 07:21 Uhr 8 Min. Lesezeit Aktualisiert: 27.06.2026 Das Wichtigste in Kürze Der Investmentfonds Aspex erhöht seine Beteiligung an Delivery Hero auf rund 15 Prozent und verschärft damit seinen Druck auf das Management des LieferdienstesDies zeigt die wachsende Unzufriedenheit mit der Geschäftsentwicklung Mit einem Anteil von nun 15 Prozent hat der aktivistische Investor Aspex Management seinen Griff auf Delivery Hero deutlich verstärkt — und macht damit unmissverständlich klar, dass der Druck auf Konzernchef Niklas Östberg weiter steigen wird. Aspex hält damit eine der größten Einzelpositionen im Aktionärsregister des Berliner Lieferdienstkonzerns und verfügt über ausreichend Stimmgewicht, um auf der nächsten Hauptversammlung konkrete Konsequenzen einzufordern.InhaltsverzeichnisAspex verdoppelt fast seinen Einsatz — und das Signal ist eindeutigNiklas Östberg: Unter Dauerdruck seit MonatenDie Finanzkennzahlen: Ein nüchternes BildWer profitiert — und wer verliert?Der größere Kontext: Plattformökonomie unter DruckWas nun? Szenarien für die kommenden Monate Aspex verdoppelt fast seinen Einsatz — und das Signal ist eindeutig Der Hedgefonds aus Hongkong, der bereits seit Monaten als kritische Stimme gegenüber dem Delivery-Hero-Management bekannt ist, hat seinen Anteil schrittweise auf 15 Prozent ausgebaut. Das entspricht einem signifikanten Kapitalzufluss in ein Unternehmen, dessen Aktie seit ihrem Allzeithoch um mehr als 90 Prozent gefallen ist. Für Beobachter ist dieser Schritt kein reines Investitionssignal — er ist eine Machtdemonstration. ▶ Auf einen BlickAspex Management erhöht seinen Anteil an Delivery Hero auf 15 Prozent, was den Druck auf den Konzernchef verstärkt.Der Hedgefonds signalisiert durch die Verdopplung seines Einsatzes eine Machtdemonstration und Forderung nach Veränderungen.Der erhöhte Anteil verschafft Aspex eine Sperrminorität und politischen Einfluss bei Abstimmungen. Aspex gehört zu jener Klasse von aktivistischen Investoren, die nicht passiv auf Dividenden warten, sondern strukturelle Veränderungen einfordern. Das bisherige Engagement des Fonds war bereits geprägt von öffentlicher Kritik an der Strategie von CEO Niklas Östberg, an der Kapitalallokation und an der Bewertungslücke zwischen operativer Performance und Börsenkurs. Der nun erhöhte Anteil verschafft Aspex faktisch eine Sperrminorität bei bestimmten Abstimmungen — und damit erheblichen politischen Hebel. Über die genauen Kaufzeitpunkte und den durchschnittlichen Einstiegspreis macht Aspex keine öffentlichen Angaben. Die Pflichtmitteilung gemäß Wertpapierhandelsgesetz war jedoch eindeutig: 15 Prozent — ein Wert, der in der deutschen Corporate-Governance-Praxis als strategisch eingestufter Anteil gilt. Mehr dazu auch im Kontext des laufenden Engagements: Aspex erhöht Anteil an Delivery Hero trotz Kritik an Vorstandschef. Was 15 Prozent rechtlich bedeuten Ab einer Beteiligungsschwelle von 15 Prozent gelten nach deutschem Aktienrecht verschärfte Transparenzpflichten. Gleichzeitig ermöglicht dieser Anteil einem Großaktionär, Tagesordnungspunkte auf Hauptversammlungen zu beantragen und — je nach Satzung — bestimmte Beschlüsse zu blockieren. Delivery Hero ist zwar im MDAX notiert und unterliegt damit dem deutschen Rechtsrahmen, hat jedoch seinen Sitz in Berlin mit einer Gesellschaftsstruktur, die in der Vergangenheit wenig Einfluss für Minderheitsaktionäre bot. Das dürfte sich nun ändern.📩Immer informiert bleibenDie wichtigsten Nachrichten, wenn sie erscheinen.Newsletter holen Analysten der Deutschen Bank wiesen in einer internen Notiz darauf hin, dass die Schwelle von 15 Prozent strategisch gewählt sein dürfte — unterhalb der 25-Prozent-Sperrminorität, die eine vollständige Blockademacht darstellen würde, aber weit genug, um den Vorstand ernsthaft unter Druck zu setzen. Die Frage ist nicht ob, sondern wann Aspex konkrete Forderungen formuliert. Niklas Östberg: Unter Dauerdruck seit Monaten Wirtschaft Coworking Space Moderner Bueroraum Laptop Gemeinschaft Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg steht seit geraumer Zeit in der Kritik. Dem schwedischen Manager wird vorgeworfen, den Konzern trotz massiver Verluste auf Wachstumskurs gehalten zu haben, ohne klare Profitabilitätsziele zu definieren. Delivery Hero hat in den vergangenen Jahren Milliarden in Expansion investiert — in Lateinamerika, Südostasien und dem Nahen Osten — mit gemischten Ergebnissen. Die operative Marge bleibt in vielen Märkten negativ, die Verschuldung ist erheblich. Östberg selbst hält an seiner Strategie fest: Marktanteile zuerst, Profitabilität später. Dieses Credo, das in den Nullzinsjahren funktionierte, wirkt im aktuellen Zinsumfeld zunehmend anachronistisch. Der Leitzins auf höchstem Stand seit 22 Jahren durch die EZB-Erhöhungen hat die Refinanzierungskosten für wachstumsgetriebene Tech-Unternehmen massiv erhöht — ein Umstand, der Delivery Heros Schuldenlast direkt belastet. Der Kontrast zur Konkurrenz Während Delivery Hero noch kämpft, hat etwa Just Eat Takeaway — nach langen Turbulenzen — Teile des Konzerns abgestoßen und sich auf profitable Kermmärkte konzentriert. DoorDash aus den USA verzeichnet derweil positive Cashflows. Und selbst Uber Eats, einst der ewige Verlustbringer, schreibt in mehreren Schlüsselmärkten schwarze Zahlen. Östbergs Beharren auf Expansion erscheint vor diesem Hintergrund als immer schwerer vermittelbares Alleinstellungsmerkmal. Statista-Daten aus dem ersten Quartal dieses Jahres liegt der globale Marktanteil von Delivery Hero im organisierten Online-Food-Delivery-Segment bei knapp 12 Prozent — nach einem leichten Rückgang gegenüber dem Vorjahr. In Deutschland selbst ist das Unternehmen kaum noch präsent, nachdem der Rückzug aus dem heimischen Markt zugunsten von Foodora längst vollzogen wurde. Hauptversammlung als Schlachtfeld Die kommende Hauptversammlung im Sommer dürfte zur Abrechnung werden. Aspex hat bereits in der Vergangenheit signalisiert, dass eine Erneuerung des Vorstands oder zumindest eine umfassende Strategieüberprüfung notwendig sei. Mit 15 Prozent in der Hand können diese Forderungen nun lautstark und mit Konsequenz auf der Bühne der Aktionärsversammlung vorgetragen werden. Die Finanzkennzahlen: Ein nüchternes Bild Kennzahl Delivery Hero (aktuell) Vorjahr Branchendurchschnitt (Food Delivery) Umsatz (annualisiert) ca. 12,8 Mrd. EUR ca. 11,6 Mrd. EUR — Adjusted EBITDA-Marge ca. +1,2 % ca. -0,8 % ca. +3,5 % Nettoverschuldung ca. 5,4 Mrd. EUR ca. 5,1 Mrd. EUR — Mitarbeiter (weltweit) ca. 45.000 ca. 47.500 — Börsenbewertung ca. 3,9 Mrd. EUR ca. 4,8 Mrd. EUR — Anteil Aspex Management 15,0 % ca. 8,5 % — Aktie YTD-Performance ca. -18 % ca. -22 % Tech-Index: ca. +6 % Die Zahlen zeichnen ein klares Bild: Delivery Hero wächst beim Umsatz, aber die Schuldenlast bleibt erdrückend, die Börsenbewertung sinkt weiter, und die Mitarbeiterzahl geht zurück — ein Zeichen für laufende Umstrukturierungen. Dass der Konzern erstmals eine leicht positive Adjusted-EBITDA-Marge ausweist, ist ein Fortschritt — aber angesichts der Finanzierungskosten immer noch weit von echter Profitabilität entfernt (Quelle: Unternehmensberichte, Refinitiv-Daten, Statista). Konjunkturindikator: Das ifo Institut verzeichnet für den deutschen Dienstleistungssektor im Mai 2026 eine leichte Erholung des Geschäftsklimaindexes auf 94,2 Punkte — nach 92,8 im Vormonat. Dennoch bleibt die Stimmung unter Vorkrisenniveau. Besonders der plattformgetriebene Liefersektor leidet unter steigenden Lohnkosten infolge des erhöhten Mindestlohns sowie unter rückläufigen Konsumausgaben im mittleren Einkommenssegment. Die Bundesbank warnt in ihrem jüngsten Monatsbericht vor anhaltend hohen Kreditkosten für fremdfinanzierte Wachstumsmodelle — ein direktes Risiko für Unternehmen wie Delivery Hero, die auf Kapitalmarktzugang angewiesen sind. Wer profitiert — und wer verliert? Gewinner: Aktivistische Investoren und institutionelle Hedgefonds Aspex sitzt in einer komfortablen Position: Durch den erhöhten Anteil steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Managementwechsel oder eine Strategieüberprüfung erzwungen wird — beides Szenarien, die erfahrungsgemäß kurzfristig zu Kursgewinnen führen. Selbst wenn keine unmittelbaren Veränderungen eintreten, hat Aspex seinen Einstand in einem tiefbewerteten Unternehmen ausgebaut, das bei erfolgreicher Restrukturierung erhebliches Aufholpotenzial besitzt. Auch andere institutionelle Investoren mit Exposure in Delivery Hero dürften die Entwicklung positiv sehen. Der bloße Einfluss eines aktivistischen Aktionärs gilt an den Märkten oft als disziplinierendes Signal an das Management — und damit als wertschaffend. Dies steht in einem größeren Kontext des Wandels im Tech-Sektor: Ähnliche Dynamiken, in denen KI-Technologie und Automatisierung die Branche verändern, lassen sich etwa beim Blick auf Anthropics KI-Finanzagenten auf dem Markt beobachten — auch dort verschieben sich Machtgefüge zwischen Investoren, Plattformen und Betreibern. Verlierer: Das amtierende Management und Kleinaktionäre Niklas Östberg und sein Vorstandsteam befinden sich in einer zunehmend unangenehmen Lage. Der CEO kann zwar auf operative Fortschritte verweisen — erstmals leicht positives adjusted EBITDA, Kostensenkungen, selektive Marktaustritte — aber das reicht Aspex nicht. Der Druck auf den Aufsichtsrat, aktiv zu werden, dürfte zunehmen. Für Kleinaktionäre ist die Situation ambivalent. Einerseits könnte aktivistischer Druck den Kurs mittelfristig beflügeln. Andererseits besteht die Gefahr, dass ein erzwungener Führungswechsel oder strategische Neuausrichtungen kurzfristig Unsicherheit erzeugen und die Aktie weiter unter Druck setzen. Das DIW Berlin hat in seiner jüngsten Analyse zur Corporate Governance in Tech-Plattformen darauf hingewiesen, dass aktivistisches Investment in defizitären Wachstumsunternehmen zwar häufig zu strukturellen Verbesserungen führt, aber die Übergangsphase für Privatanleger oft schmerzhaft ist (Quelle: DIW Berlin, Frühjahrsanalyse 2026). Der größere Kontext: Plattformökonomie unter Druck Die Schwierigkeiten von Delivery Hero sind kein Einzelfall. Die gesamte plattformgetriebene Gig-Economy steht unter Druck — von regulatorischer Seite, von steigenden Arbeitskosten und von veränderten Konsumgewohnheiten. In Deutschland hat die neue Bundesregierung unter Kanzler Merz angekündigt, die Rahmenbedingungen für digitale Plattformarbeit zu überarbeiten. Ob und wie das politische Umfeld unter der Regierung Merz konkrete Auswirkungen auf die Regulierung von Lieferdiensten hat, bleibt abzuwarten — klar ist aber, dass der Gesetzgeber aktiver werden will. Gleichzeitig verändert sich die Wettbewerbslandschaft durch Technologie. Automatisierte Liefersysteme, KI-gestützte Logistikoptimierung und der Eintritt von Finanzakteuren in das Plattformgeschäft — Stichwort KI-Finanzagenten als neue Marktteilnehmer — reshapen die Branche schneller als viele traditionelle Anbieter reagieren können. Vergleich mit dem Handel: Amazons Gebührenmodell als Parallele Ein Vergleich mit dem Plattformhandel ist erhellend. Wie Amazons Gebührenerhöhung auf 30 Prozent deutsche Händler unter Druck setzt, erleben auch Restaurant- und Lieferpartner von Delivery Hero seit Jahren steigende Provisionen. Das Plattformmodell steht dabei in einem strukturellen Dilemma: Einerseits brauchen die Konzerne höhere Margen, um profitabel zu werden. Andererseits treiben zu hohe Gebühren Partner und Kunden zu Konkurrenten. Laut einer Umfrage des ifo Instituts unter Gastronomiebetrieben sind 38 Prozent der befragten Restaurants bereits von mindestens zwei Lieferplattformen gleichzeitig gelistet — ein Zeichen für die abnehmende Plattformbindung und den wachsenden Preisdruck (Quelle: ifo Institut, Gastronomieumfrage Q1 2026). Für Delivery Hero bedeutet das: Selbst wenn Aspex eine Neuausrichtung erzwingt, ist der Handlungsspielraum begrenzt. Geopolitische Dimension: Kapitalbewegungen in unsicheren Zeiten Dass ausgerechnet ein asiatischer Hedgefonds zum mächtigsten Einzelaktionär eines europäischen Tech-Konzerns aufsteigt, ist keine Petitesse. In einer Zeit, in der geopolitische Spannungen Kapitalbewegungen zunehmend politisch aufgeladen erscheinen lassen — man denke an die Diskussionen um chinesische Investitionen in europäische Infrastruktur oder an die Dynamiken rund um Russlands LNG-Exporte trotz Sanktionen — dürfte auch das Aspex-Engagement politische Aufmerksamkeit erhalten. Ob das Bundeswirtschaftsministerium eine Überprüfung nach dem Außenwirtschaftsgesetz einleitet, ist derzeit offen. Die Bundesbank hat in einem gesonderten Themenpapier zur Finanzstabilität darauf hingewiesen, dass aktivistische Investoren aus Drittstaaten zunehmend in systemrelevante oder strategisch wichtige europäische Unternehmen einsteigen. Ob Delivery Hero als strategisch relevant gilt, ist juristisch zweifelhaft — politisch aber nicht mehr trivial (Quelle: Bundesbank, Finanzstabilitätsbericht 2026). Was nun? Szenarien für die kommenden Monate Drei Szenarien erscheinen realistisch: Im ersten und wahrscheinlichsten Szenario erhöht Aspex den Druck im Vorfeld der Hauptversammlung weiter, fordert öffentlich einen strategischen Review oder einen Wechsel an der Führungsspitze und erzwingt so zumindest eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung. Im zweiten Szenario einigt sich Aspex hinter den Kulissen mit dem Vorstand auf ein gemeinsames Strategiepapier — Ru EinordnungDie Erhöhung des Anteils von Aspex Management bei Delivery Hero deutet auf eine verstärkte Einflussnahme eines aktivistischen Investors hin. Dies könnte zu einer intensiveren Debatte um die Unternehmensstrategie und die Bewertung des Unternehmens führen. ZZenNews24 RedaktionUnabhängige Nachrichtenredaktion · Schwerpunkt: Wirtschaft Teilen Teilen X Facebook WhatsApp Link kopieren Wie findest du das? 🔥 0 😲 0 🤔 0 👍 0 😢 0 Delivery Hero Aspex Capital Großaktionär Lieferdienste Unternehmenskontrolle J Julia Schneider Gesellschaft & International Julia Schneider schreibt über gesellschaftliche Trends, internationale Konflikte und humanitäre Themen. Sie hat als Auslandskorrespondentin aus Brüssel und Wien berichtet. 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